...und die „klassischen“ Barockkomponisten für Orgel?
Natürlich ist die Große Orgel keine Barockorgel. Durch die immensen
Kombinationsmöglichkeiten und den neuen Spieltisch lassen sich jedoch
viele beeindruckende Klangfarben erzeugen, die ähnlichen Zusammenstellungen
bei neobarocken Instrumenten der Nachkriegszeit oft überlegen sind.
Die präzise elektropneumatische Traktur erlaubt selbst die Darstellung
Bach´scher Triosonaten. Die helleren Mixturen von von 1922 und 1961
verleihen dem Vollen Werk in Verbindung mit der ausgezeichneten Akustik
Strahlkraft und Glanz auch für die musikalisch überzeugende Wiedergabe
von Orgelmusik des Barockzeitalters - mehr als dies neobarocke Nachbauten
der Nachkriegszeit und der 70er Jahre umgekehrt für die Epoche der Spätromantik
leisten.
Beim letzten großen Ausbau wurden die Aliquotregister bewusst belassen
und nicht verändert. Das Instrument hat seine Geschichte wie wir alle,
und die Wiedergewinnung einer scheinbar „heilen“ Welt würde bei kompromissloser
Rückführung das Werk auf 40 Register auf zwei Manualen mit mechanischer
Kegellade aus dem Jahre 1898 um die Hälfte verkleinern. Die Orgel war
für die Auenkirche in ihren Ursprüngen zu klein konzipiert.
So bleibt die Geschichte mit behutsamen Angleichungen bestehen und kann
mitverfolgt werden: von 1898 zum ersten großen Ausbau 1922 bis 1924
und schließlich zum zweiten Ausbau zur damals größten Orgel Berlins
im Jahre 1961. Es folgten die Rekonstruierungen und Restaurierungen
1984 bis 1986 und 1990/1991, schließlich als Krönung der neue Spieltisch
im alten Gewand und die Registerergänzungen 2002/2003.
